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Zehn Jahre Kämpfe für Frauenrechte – Der einzige Weg zu gewinnen ist zu kämpfen

In den letzten 10 Jahren sind Millionen von Frauen auf allen Kontinenten immer wieder auf die Straße gegangen, um gegen die weit verbreiteten Vergewaltigungen, Femizide und andere Erscheinungsformen der Geschlechterunterdrückung zu protestieren. Massive und entschlossene Bewegungen wie Ni Una Menos wurden in Lateinamerika aufgebaut. In Argentinien wird alle 40 Stunden eine Frau ermordet, in Brasilien alle 2 Stunden. 2018 trafen sich tausende Frauen, um den Kampf in Argentinien zu organisieren. In Chile ergriffen 2019 Frauen die Initiative, Vergewaltiger durch eine Choreografie anzuprangern, und der Tanz verbreitete sich über die ganze Welt.


Dieser Kampf steht auch in Verbindung mit dem Kampf der Transsexuellen für ihr Existenzrecht und gegen die Gewalt, mit der sie konfrontiert sind, wobei Brasilien das Land in der Welt ist, in dem die meisten Morde an trans Personen verübt werden. Aber die anhaltenden Massenproteste erschütterten auch Länder wie Indien, Südafrika und Spanien, um nur einige zu nennen, und die Bewegung breitet sich immer noch aus. In einigen Ländern wurden Zugeständnisse gemacht: in Indien zum Beispiel können Polizeibeamte nun zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt werden, wenn sie sich weigern, eine Anzeige wegen sexueller Gewalt anzunehmen, in Spanien hat die Bewegung höhere Strafen für das "Wolfsrudel" erzwungen und mehr Mittel im Kampf gegen sexualisierte Gewalt erhalten. Als Folge des Kampfes und der wachsenden Politisierung wurden die ersten beiden trans Frauen in den Landtag in Sao Paulo (Brasilien) gewählt, was dazu beiträgt, trans Personen sichtbar zu machen und den Kampf zu stärken.In Irland wurden Abtreibungsrechte errungen, ein Kampf, bei dem die mutige Intervention unserer Genossen*innen eine entscheidende Rolle spielte.


Das Beispiel Irland hat Frauen in verschiedenen Ländern inspiriert, zu einem Sieg in Südkorea geführt und eine Bewegung in Argentinien ausgelöst, wo ein Pro-Choice-Gesetz mit einer kleinen Minderheit abgelehnt wurde und wo der Kampf weitergehen wird. Bewegungen in Spanien und Polen stoppten die Versuche konservativer Rechtsregierungen, Abtreibungsrechte wieder zurückzunehmen. Es zeigt, wie entschlossen Massenbewegungen die konservativen Kräfte in diesem wichtigen Bereich zurückdrängen können. Lehren daraus sollten in der Bewegung in den USA diskutiert werden, wo die Machtübernahme von Trump zu einem anhaltenden Angriff auf dieses Grundrecht geführt hat, ebenso wie in Norwegen, wo das Parlament das Recht auf Abtreibung eingeschränkt hat.MeToo und die verschiedenen internationalen Varianten haben Millionen von Frauen auf der ganzen Welt ermutigt, sich gegen sexuelle Belästigung und Gewalt in allen Lebensbereichen, zu Hause, auf der Straße und am Arbeitsplatz, zu äußern. Wir begrüßen diesen Tabubruch in Bezug auf sexuelle Belästigung und erklären die Grenzen individueller Aktionen und Gerichtsverfahren und die Notwendigkeit, den kollektiven Kampf zu organisieren, der Justiz zu zeigen, dass Frauen das nicht mehr hinnehmen werden, und den Kampf in die Gewerkschaften und an die Arbeitsplätze zu tragen.


Seitdem sind an vielen Arbeitsplätzen, auch bei Google und McDonalds, Kämpfe ausgebrochen. Im Juni 2019 führte sie zur Annahme einer Konvention gegen Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz durch die Internationale Arbeitsorganisation [ILO]. In vielen Ländern nehmen die Gewerkschaften diesen Kampf am Arbeitsplatz bereits auf, aber wir haben noch einen weiten Weg vor uns.Gewalt gegen Frauen ist auch wirtschaftliche Gewalt: überall auf der Welt besteht nach wie vor ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle, das Frauen in abhängigen Positionen hält, was für viele Frauen eine "Wahl" zwischen Armut und Obdachlosigkeit oder dem Verbleiben in einer misshandelnden Beziehung bedeutet. Aber der Widerstand hat begonnen.


In Island hat ein Frauenstreik ein Gesetz zur Lohngleichheit durchgesetzt (2018), in Glasgow hat ein Streik der Arbeiterinnen für gleichen Lohn, der auf spontane Solidaritätsstreiks von Müllmännern und anderen Arbeitern stieß, wichtige Zugeständnisse bei den Löhnen für die lokalen öffentlichen Angestellten erreicht (2018). 2019 fand ein beeindruckender landesweiter feministischer Streik in der Schweiz statt und der Druck auf die Regierung und die Bosse steigt.Frauen auf der ganzen Welt haben erkannt, dass es nicht ausreicht, nur bei den etablierten Parteien und Institutionen Lobbyarbeit zu betreiben. Sie haben den Kampf aufgenommen, indem sie die Kampfmethoden der Arbeiter*innenklasse wie Massenmobilisierung und Streik, einschließlich des feministischen Streiks, anwenden. Die gewonnenen Teilsiege sind wichtig, da sie die Bewegung vorantreiben, aber es ist noch viel mehr nötig, um diese weltweite Epidemie von Gewalt, Belästigung und Erniedrigung von Frauen und nicht geschlechts-konformen Menschen zu stoppen.



Frauen an vorderster Front in den Kämpfen der Arbeiter*innenklasse und der Jugend

Junge Frauen stehen auch überall in den ersten Reihen der Klimabewegung, von Schweden bis Kabul, nachdem weibliche Führungspersönlichkeiten bereits in allen großen Studenten*innenkämpfen eine bedeutende Rolle gespielt haben. Nicht selten wehren sie sich gegen offen sexistische Versuche der herrschenden Klasse, sie zu verspotten und herabzusetzen. In allen Massenbewegungen des letzten Jahrzehnts waren Frauen ein wichtiger Bestandteil, der die zentralen Forderungen der Bewegung mit spezifischen Frauenforderungen verbindet. 2018 gingen Hunderttausende Frauen mit dem Slogan #NotHim gegen Bolsonaro auf die Straße, in Sao Paulo waren es mehr als eine halbe Million. Trotz des Sieges von Bolsonaro ist diese Kraft als starkes Element des Widerstands gegen die Regierung der extremen Rechten nicht verschwunden und wird sich in naher Zukunft wieder erheben.Nach bereits drei Jahrzehnten Neoliberalismus, der alle Systeme der sozialen Sicherheit, der öffentlichen Dienstleistungen, des Gesundheitswesens und des leistbaren öffentlichen Wohnraums zermürbte, hat die Wirtschaftskrise von 2008 eine massive Beschleunigung des Sparkurses ausgelöst.


Menschen, die an heilbaren Krankheiten sterben, weil sie sich weder Pflege noch Medikamente leisten können, ganze Familien ohne ein Dach über dem Kopf, Kinder, die ohne Essen im Bauch zur Schule gehen, Studenten*innen, die in der Sexindustrie arbeiten, um ihre Ausbildung zu bezahlen... sind selbst in den reichsten Ländern der Welt zu einem "normalen" Merkmal des täglichen Lebens geworden. Gleichzeitig sind die Arbeitsbedingungen im Sozial- und Pflegebereich, den stark weiblichen Sektoren, immer unhaltbarer geworden, mit einer Welle von arbeitsbedingten Krankheiten wie Burnouts, Depressionen und chronischen Rückenschmerzen. Die Reprivatisierung der Pflegearbeit trifft die Frauen in zweifacher Hinsicht: erstens als Arbeiterinnen in diesen Sektoren, die in der Regel niedrige Löhne und damit niedrigere Renten verdienen; zweitens als unbezahlte Arbeiterinnen zu Hause in der Betreuung von Kindern, Kranken und älteren Menschen.


Die anhaltenden Sparmaßnahmen haben die ArbeiterInnen in diesen Sektoren zum Kampf gedrängt, wo z.B. bei den jüngsten Kämpfen in Nordafrika die Lehrer*innen an vorderster Front stehen.Dies ist der Hintergrund, vor dem wir heute einen weltweit entschlossenen Kampf der meist weiblichen Arbeitskräfte im Bildungs- und Gesundheitswesen sehen. Diese Kämpfe stellen Forderungen nach mehr Personal, nach Löhnen und Arbeitsbedingungen, aber auch die Forderung nach qualitativ hochwertigen und für alle zugänglichen Dienstleistungen, die den Bedürfnissen der Mehrheit der Bevölkerung und der ärmsten Schichten der Gesellschaft entsprechen.Seit den 1980er Jahren ging die Proletarisierung wachsender Schichten von Frauen, die eine grundlegende Kraft hinter der Frauenbewegung ist, mit der Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen, Deregulierung und der massiven Schaffung von Arbeitsplätzen in privaten Dienstleistungen einher. Dies führte zu einem massiven und wachsenden Sektor, in dem niedrige Löhne und prekäre Verträge es den Arbeiter*innen unmöglich machen, von ihrem Lohn zu leben. Viele Frauen werden in die Teilzeitarbeit gedrängt, weil sie noch immer den Großteil häuslicher Arbeit verrichten. Es gibt immer noch große Schichten von Frauen, die von den Löhnen ihrer Partner abhängig bleiben, was arme und arbeitende Frauen in Beziehungen, in denen sie nicht mehr sein wollen, gefangen halten kann.


Die prekären Verträge in den oft nicht gewerkschaftlich organisierten Betrieben machen es für Frauen extrem schwierig, gegen die Belästigung am Arbeitsplatz zu kämpfen.Viele dieser Kämpfe werden von den Gewerkschaften unter dem Druck ihrer Basis aufgenommen, in der immer mehr Frauen aktiv sind. In einer ganzen Reihe von Ländern mussten sich die Arbeiter*innen außerhalb der Gewerkschaften organisieren, da sie entweder nicht präsent waren oder ihre Führungen nicht bereit waren zu kämpfen. In den Niederlanden und in West Virginia wurden die ersten Streiks im Bildungswesen durch einen Facebook-Aufruf einzelner Lehrer*innen organisiert, und erst als sich der Kampf ausbreitete, waren die Gewerkschaften bereit, ihn zu unterstützen. Diese Kämpfe waren der Schlüssel zum Wiederaufflammen einer militanten Arbeiter*innenbewegung.Unsere Genossen*innen müssen in den Gewerkschaften kämpfen, damit sie diese Themen aufgreifen - den Kampf für einen existenzfähigen Lohn und sichere Verträge für alle Arbeiter*innen sowie für qualitativ hochwertige öffentliche Dienstleistungen - aber auch den Kampf gegen Belästigung am Arbeitsplatz.


Frauen der Arbeiter*innenklasse, die in allen dieser Punkte kämpfen und ihre eigenen spezifischen Forderungen aufstellen, werden den Stand der gesamten Arbeiter*innenklasse aller Geschlechter anheben, einschließlich der Verbesserung des Bewusstseins und der Einstellung zu diesen Fragen. Sozialisten*innen müssen auch dafür kämpfen, dass ihre Gewerkschaften eine Kampagne zur gewerkschaftlichen Organisierung in bisher nicht organisierten Sektoren starten. Dort, wo Gewerkschaften fehlen oder nicht bereit sind, müssen wir den Beschäftigten helfen, sich in Betriebsausschüssen und Kampagnen zu organisieren.Aber Frauen spielen nicht nur in den Kämpfen am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle. Wie die Skandale in Großbritannien über die gängige Praxis, dass schmierige Vermieter von ihren Mieterinnen Sex anstelle verlangen, gezeigt haben, bringen die hohen Preise für Wohnungen Frauen in eine sehr anfällige Position. Studien zeigen auch eine hohe Rate an sexuellem Missbrauch von obdachlosen Frauen. Es ist daher kein Zufall, dass wir vielerorts massive Kampagnen rund um das Thema bezahlbarer Wohnraum sehen, in denen Frauen eine wichtige und führende Rolle spielen, wie etwa in der PAH [Plataforma de Afectados por la Hipoteca - Plattform der von Hypotheken Betroffenen] in Spanien.


Es ist auch generell so, dass Frauen eher links wählen. In den USA wählte ein geringerer Prozentsatz von Frauen als Männer für Trump. Der Unterschied ist noch größer, wenn es um die Unterstützung der harten Rechten geht. Zum Beispiel bekommt der rechtsextreme Vlaams Belang in Belgien nur halb so viele Stimmen von jungen Frauen wie von jungen Männern.Wie die Geschichte des Klassenkampfes zeigt, sind es oft die weniger organisierten Schichten der Arbeiter*innenklasse - Frauen, Jugendliche, Migranten - die zuerst in den Kampf gezogen werden. Wo es den hoch organisierten Sektoren oft gelungen ist, durch den Kampf bessere Bedingungen aufrechtzuerhalten, sind es diese Schichten, die zuerst zum Kampf gezwungen werden, weil ihr Lohn kein anständiges Leben erlaubt. Ihr Kampf spornt den breiteren Kampf der Arbeiter*innenklasse an und spielt eine wichtige Rolle bei der Wiederbelebung des Klassenkampfes.



Krieg und ethnische Säuberungen stoppen

Nach dem Fall der Berliner Mauer hat sich die imperialistische Herrschaft beschleunigt und in immer größeren Teilen der Welt unmenschliche Bedingungen geschaffen. Trotz der Gräuel der stalinistischen Staaten stellten die Sozialsysteme in Russland und Osteuropa immer noch ein riesiges Gegengewicht zum Kapitalismus dar. Ihre Auflösung kündigte eine neue Periode ungezügelter Eroberung und des Triumphalismus für den Weltmarkt an, der ganze neue Regionen in Armut und Elend zwingt, mit Ausbeuter Betrieben in ausgelagerten Industriezweigen und Regionen, die in die Subsistenzlandwirtschaft gezwungen werden, was die schwierigsten Bedingungen schafft.Imperialistische Kriege und Konflikte, die durch die weltweite Konkurrenz verursacht werden, bringen ganze Schichten von Frauen in die Gefahr, als Teil der Kriegsmaschinerie vergewaltigt zu werden oder aus ihren


Heimatregionen fliehen zu müssen, wobei sie oft in Flüchtlingslagern landen, in denen Misshandlungen an der Tagesordnung sind oder ihr Leben und das ihrer Kinder riskieren, wenn sie versuchen, Europa oder die USA zu erreichen. Diese Bedingungen führen zu einem neuen Anstieg der offenen Sklaverei, wobei Frauen 70 % der modernen Sklaven ausmachen. Viele von ihnen - sowohl Frauen als auch Kinder und nicht geschlechts-konforme Menschen - landen in den brutalsten Bereichen der Sexindustrie.Viele der Regime, die durch die wirtschaftliche Verlangsamung unter Druck geraten sind, haben bewusst eine konservative Agenda verfolgt und patriarchalische Ideen und die Rolle der traditionellen Familie gestärkt. Auf diese Weise wurde in der Türkei und in Russland die Vergewaltigung in der Ehe aus dem Strafgesetz gestrichen, da Erdogan und Putin versuchen, an ihrer Position festzuhalten, indem sie reaktionäre Vorurteile in den rückständigsten Teilen der Bevölkerung anheizen.


In Lateinamerika haben die Regierungen der Rechten und der Rechtsextremen die sozialen Grundrechte brutal angegriffen und die ärmsten Schichten am härtesten getroffen. In Brasilien, Bolivien, Ecuador, Chile,... sehen wir einen Völkermord an Schwarzen und anhaltende Angriffe auf die indigene Bevölkerung. In Brasilien führt die Regierung eine Politik der öffentlichen Sicherheit ein, die mehr Gewalt gegen Schwarze zulässt. Die Morde an schwarzen Frauen haben im letzten Jahrzehnt um 54% zugenommen. In Lateinamerika findet ein rassistischer und sexistischer Krieg statt. Wo westliche Medien, Parteien des Establishments und internationale Institutionen wie die UNO diese Merkmale des modernen Lebens heuchlerisch kritisieren, kann man im Kampf um die Beendigung dieser schrecklichen Bedingungen, die einer kapitalistischen Gesellschaft in der Krise innewohnen, auf keine von ihnen zählen. Der Kampf wird nicht von ihnen aufgenommen und es finden sich keine Verbündeten unter ihnen. Dies wurde noch einmal deutlich mit der türkischen Invasion in der kurdischen Region in Nordsyrien, welche die relative Freiheit für Frauen, die in Rojava mit der Erlaubnis aller imperialistischen Mächte erlangt wurde, zerstört hat. In Lateinamerika haben die rechten und rechtsextremen Regierungen die sozialen Rechte brutal angegriffen, was die ärmsten Schichten am härtesten getroffen hat. In Brasilien, Bolivien, Ecuador, Chile, und anderen Ländern sehen wir einen Völkermord an Schwarzen und anhaltende Angriffe auf indigene Völker. In Brasilien führt die Regierung eine Politik der „öffentlichen Sicherheit“ ein, die mehr Gewalt gegen Schwarze zulässt. Die Morde an schwarzen Frauen haben im letzten Jahrzehnt um 54% zugenommen. In Lateinamerika findet ein rassistischer und sexistischer Krieg statt. Wo gekämpft wird, sind es die Arbeiter*innen und die unterdrückten Schichten dieser Regionen, die Streiks, Bewegungen und regelrechte Revolten initiiert haben, bei denen die Frauen in der ersten Reihe stehen. Das ist ein auffälliges Merkmal bei den Aufständen in Nordafrika und im Nahen Osten, in Lateinamerika und im Fernen Osten.


Ihre Verbündeten in diesen Bewegungen sind die Arbeiter*innen und alle anderen unterdrückten Gruppen der Gesellschaft. Überall auf der Welt stehen die Frauen an der Spitze der Kämpfe und verleihen ihnen Kraft, Entschlossenheit und Bewusstsein und sorgen dafür, dass die Bewegung auch für die Rechte der Frauen kämpft und für die radikale Veränderung des Status der Frauen.Oder wie eine Lehrerin im Sudan sagte: "Es war nicht verwunderlich, so viele Frauen an der Front bei den Märschen zu sehen. Das liegt an dem wachsenden Bewusstsein für die Rechte der Frauen. Die Frauen haben mit der Zeit erkannt, dass sie an ihren Forderungen festhalten müssen".



Kein Weg vorwärts im Kapitalismus - Wir müssen wieder kämpfen, da die Errungenschaften der zweiten Welle des Feminismus durch Sparmaßnahmen und den Aufstieg des Rechtspopulismus angegriffen werden



Alle Errungenschaften im Kapitalismus sind teilweise und vorübergehend und werden oft verzerrt, wenn sich der Kapitalismus an sie anpasst und sie in Profitmöglichkeiten verwandelt. Die Tatsache, dass die revolutionären Bewegungen der 60er und 70er Jahre auf halbem Wege gestoppt wurden, gab der herrschenden Klasse die Möglichkeit, die Emanzipation zu untergraben und Sexismus, Rassismus, LGBTQI+-Phobie wieder anzuheizen – nach dem Prinzip "teile und herrsche".


Die erkämpfte sexuelle Freiheit wurde genutzt, um eine bösartige und Gewinn hungrige Sexindustrie zu schaffen, die die Profite aus dem Sexismus widerspiegelt und ihn fördert. Der Zugang zu Arbeit, der in den 60er und 70er Jahren eine wichtige materielle Grundlage für den Emanzipationsprozess war, wurde von den Bossen genutzt, um massiv schlecht bezahlte Arbeitsplätze, Teilzeit- und Zeitverträge zu schaffen, die keine wirtschaftliche Unabhängigkeit erlauben und neben der Tatsache, dass sie die Hauptträger unbezahlter Pflege und Dienstleistungen im Haushalt bleiben, erledigt werden müssen. Die Demokratisierung des Bildungswesens, einschließlich der Hochschulbildung, wurde nie abgeschlossen.


Die Kürzungen im Bildungswesen haben zu höheren Kosten für die Studenten*innen und ihre Familien geführt, wobei eine noch nie dagewesene Zahl von Studenten*innen die billigsten Arbeitskraft zur Verfügung stellen muss, um ihr Studium zu finanzieren, so dass sie immer noch oft jahrzehntelang für Studienkredite zahlen müssen.Massenbewegungen sind gegen rechte Politiker wie Trump, Bolsonaro und Pinera ausgebrochen, um nur einige von denen zu nennen, die populistische Rhetorik - und offene staatliche Gewalt - gegen die Rechte von Frauen, LGBTQI+-Leute und Immigranten einsetzen und versuchen, zu teilen und zu herrschen. Ihre Aktionen haben den rechten und rechtsextremen Gruppen und Einzelpersonen das Vertrauen gegeben, brutale Gewalt gegen diese unterdrückten Schichten zu richten.Aber ihre Maßnahmen in der Regierung haben nur die Schritte von ihren sogenannten progressiven Gegenspielern wie den US-Demokraten oder bürgerlich-sozialdemokratischen Parteien beschleunigt und vertieft.


Wo die Demokraten allmählich den Zugang zu Abtreibungsrechten durch massive Unterfinanzierung der dafür notwendigen Dienstleistungen untergruben, aber gleichzeitig ein oft theoretisches Recht behielten, griffen Trump und die ganze Rechte die Abtreibungsrechte offen an.Für sozialistische Feminist*innen sind die Clintons, die Mays, die Merkels, die Lams der Welt, Klassenfeinde - unsere Verbündeten sind die Bewegungen der Arbeiter*innenklasse und die Bewegungen aller unterdrückten Menschen. Die Arbeiter*innenklasse hat die Macht und die Fähigkeit, diese Kämpfe gegen den gemeinsamen Feind, die parasitäre kapitalistische Elite, zu vereinen und die Gesellschaft zu gestalten.



Was ist ein sozialistisch-feministisches Programm und wie verändert es das Leben für alle?

Die Rolle der Arbeiterinnen bei der Wiederbelebung des Kampfes der Arbeiter*innenklasse und die Rolle der Frauenbewegung bem Vorantreiben und Stärken der Massenkämpfe, die in der jüngsten Vergangenheit ausgebrochen sind, haben noch einen weiteren wichtigen Aspekt: Sie bringen in all diese Kämpfe Forderungen ein, die auf die Notwendigkeit hinweisen, die Gesellschaft grundlegend zu verändern.Die feministische Bewegung hat den internationalen Frauentag als Tag des Massenkampfes wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Unsere Sektionen müssen das aufgreifen, in ihn eingreifen oder eigene Initiativen starten, um für eine sozialistische feministische Strategie und ein sozialistisches Programm zu kämpfen und diesen Tag für den Arbeiter*innen-Feminismus zurückfordern, wie er von Anfang an gedacht war.


Diese Bewegungen werden in der kommenden Periode weiter wachsen, mit Höhen und Tiefen wenn Siege und Niederlagen ihre Wirkung entfalten werden. Aber das brennende Bedürfnis der Frauen nach voller Emanzipation wird sie zu sozialistisch-feministischen Ideen drängen, da das Programm zur Emanzipation der Frau und das Programm zum Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft ein und dasselbe sind.Wir sahen einen Einblick in das, was in einer Welt möglich ist, als die parasitäre Elite durch eine Arbeiter*innenrevolution und die ersten Schritte zur Transformation der Gesellschaft in eine sozialistische Richtung in den ersten fünf Jahren nach der russischen Revolution von 1917 von der Macht vertrieben worden sind.


Frauen erhielten zum ersten Mal in der Geschichte nicht nur das Wahlrecht, sondern auch das Recht auf Abtreibung und Scheidung auf Verlangen, Mutterschaftsurlaub und andere besondere Arbeitsbedingungen, welche die doppelte Rolle der Frau in der Gesellschaft - Produktion und Reproduktion - berücksichtigten. Kostenlose öffentliche Dienstleistungen wie Kinderbetreuung, Bildung, Gesundheitsfürsorge und Wohnen trugen wesentlich zur Emanzipation und Befreiung der Frauen von der doppelten Tagesaufgabe und der zweitklassigen Stellung, die sie in der Klassengesellschaft einnehmen, bei. Umfangreiche Rechte für nationale Minderheiten im [ehemaligen] Zarenreich, einschließlich des Selbstbestimmungsrechts der unterdrückten Nationen und der Rechte der LGBTQI+ - Menschen wurden eingeführt.Die Verstaatlichung von Schlüsselsektoren der Wirtschaft, einschließlich des Finanzsektors, und die Abschaffung der Staatsverschuldung setzten die Mittel für diese Verbesserungen frei, selbst in einer der ärmsten und rückständigsten Regionen der Welt. Sie ermöglichte ein wirklich demokratisches Funktionieren der Gesellschaft, wobei sich die


Demokratie nicht auf das Wahlrecht beschränkte, sondern die Arbeiter*innen durch sowjetische Strukturen von unten, die die Produktion und die Dienstleistungen zum Nutzen der gesamten Bevölkerung kontrollieren, betreiben und planen.Die Führer*innen der russischen Revolution verstanden nicht nur die Rolle, welche die Frauen - die Hälfte der Arbeiter*innenklasse - in der Revolution spielen konnte, indem sie besonders auf ihre [gemeint: Frauen-] Organisation innerhalb der Organisationen der Arbeiter*klasse achteten, sondern auch die Schlüsselrolle, die sie beim Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft zu spielen hatten. Als die wichtigsten Pflegerinnen in jeder Form der Klassengesellschaft sind sie der Schlüssel, um zu wissen - und sich zu organisieren - was nötig ist, um zu einer Gesellschaft zu kommen, in der das individuelle Wohlergehen jedes einzelnen Menschen die Verantwortung der gesamten Gesellschaft ist und nicht die Last der meist weiblichen Familienmitglieder.


Die begrenzten materiellen Ressourcen, die dem Staat zur Verfügung stehen, und die Bedingungen, die durch den jahrelangen Krieg gegen die innere und äußere Konterrevolution geschaffen wurden, belasten die Pläne und Absichten der Bolschewiki in dieser Angelegenheit außerordentlich. Doch ein Jahrhundert später stechen ihr Erbe und ihre Errungenschaften immer noch hervor.Tragischerweise wurde dieser wirklich inspirierende Aufbau des ersten Arbeiter*innenstaates, der durch kollektive demokratische Organisation eine beispiellose individuelle Freiheit für alle bot, durch das Scheitern der revolutionären Bewegungen in den fortgeschritteneren Ländern gestoppt; nicht durch den Willen der Massen dieser Länder, sondern durch den Verrat ihrer Führungen. Die Isolierung der russischen Revolution und die Zermürbung der Arbeiter*innenklasse durch den jahrelangen Bürgerkrieg, verbunden mit der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rückständigkeit, die vom alten zaristischen Regime geerbt wurde, bildete die Grundlage einer politische Konterrevolution in Form der Herausbildung einer privilegierten Bürokratie an der Spitze des Staates.


Diese Bürokratisierung führte zur Aushöhlung vieler Errungenschaften der Revolution; es überrascht nicht, dass unter die Rechte von Frauen, Jugendlichen, nationalen Minderheiten und der LGBTQI+ Community die ersten Ziele dieser Angriffe waren. Sie führte zu einem entsetzlichen autokratischen System.Jeder neue Versuch, eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen, muss diese Lehren berücksichtigen, darunter die alles entscheidende Rolle einer revolutionären Partei und die Notwendigkeit, dass die Arbeiter*innenklasse ihre Einheit mit allen Unterdrückten aufbauen muss, um zu gewinnen. Revolutionär*innen müssen Teil der Bewegungen aller unterdrückten Schichten der Gesellschaft sein und von ihnen lernen: zum Beispiel die LGBTQI+ Bewegung, die zeigt, dass die Hetero-Norm etwas ist, das alle betrifft, die Frauenbewegung, die zeigt, dass auch Männer durch strikte Geschlechterrollen in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt sind, oder die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien, die zeigt, dass der gesamte spanische Staat undemokratisch ist. Die Arbeiter*innenklasse kann sich nur als Befreier der gesamten Menschheit befreien.

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